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Tunesien - Abfallwirtschaft & Recyclingtechnologien

26.10.2026–30.10.2026

Ort: München

Delegationsbesuch von Bayern - Fit for Partnership

Vom 26.-30.10.2026 wird eine Delegation aus Tunesien nach Bayern reisen, um sich vor Ort über Projekte und Geschäftsmöglichkeiten für die Abfall- & Recyclingbranche zu informieren. Ziel der Reise ist es, der Delegation einen Überblick zu geben und den Kontakt zu bayerischen Unternehmen zu ermöglichen.

Die Reise wird von energiewaechter in Kooperation mit der Deutsch-Tunesischen Industrie- und Handelskammer im Rahmen von Bayern - Fit for Partnership durchgeführt.

Programm

Im Rahmen eines viertägigen Programms wird den Teilnehmenden aus Tunesien ein Einblick in den Stand der Technik rund um die Themen Sortierung, Trennung, Aufbereitung & stoffliche wie energetische Nutzung vermittelt und der Kontakt zu bayerischen Anbietern hergestellt.

Zielgruppe bayerische Unternehmen

Das Projekt richtet sich an bayerische Unternehmen, die Komponenten oder Dienstleistungen anbieten und sich für die Märkte Nordafrikas interessieren. Dies umfasst u. a. die folgenden Themenfelder:

  • Systeme zur Erkennung & Sortierung von unterschiedlichen Abfallstoffen (Siedlungsmüll, Biomüll, Kunststoffe, Metall, WEEE, Lithium-Akkus)
  • Systeme für die energetische Nutzung (MVA, Biogas, Biokohle, etc.)
  • Prozesstechnik entlang der Wertschöpfungskette (Filter, Ventilation, Entstaubung, Mess-, Regel- & Steuerungstechnik)
  • Software (Steuerung, Management, Planung)
  • Energieeffiziente Technologien (Wärmerückgewinnung, Einsatz erneuerbarer Energien)
  • Projektentwicklung
  • Training & Schulung

Bei Interesse können Sie die ausländische Delegation im eigenen Unternehmen empfangen oder ein Referenzprojekt vorstellen. Sie haben darüber hinaus die Möglichkeit, auf der halbtägigen Netzwerkveranstaltung am 27.10.2026 in München Ihr Unternehmen zu präsentieren und mit den Delegationsteilnehmern in Kontakt zu treten. Bei Teilnahmeinteresse wenden Sie sich bitte an Ferdinand Elsäßer.

Die Teilnahme ist für bayerische Unternehmen kostenfrei.

Zielmarkt

Tunesien befindet sich im Wandel von einer linearen Abfallentsorgung hin zu einer kreislauforientierten und klimaresilienten Abfallwirtschaft. Unterstützt durch internationale Partner werden seit 2023 umfassende Reformen umgesetzt, die auf Abfallvermeidung, Recycling, Energiegewinnung aus Abfällen sowie die Einführung einer erweiterten Produzentenverantwortung (EPR) abzielen. Im März 2025 verabschiedete die tunesische Regierung eine nationale Strategie für Abfallvermeidung und -verwertung, die die Deponierung schrittweise reduzieren und stattdessen Recycling, Energiegewinnung und EPR-Systeme stärken soll. Ziel ist es, den Anteil der Abfälle, die auf Deponien landen, bis 2030 um mindestens 40 % zu senken.

Mit jährlich rund 2,4 - 2,8 Mio. Tonnen kommunaler Siedlungsabfälle (MSW) in Tunesien — davon etwa 68 % organischer Anteil — besteht ein großes Potenzial für Biogas- und Kompostierungstechnologien.
Gleichzeitig fehlen ausreichende Sortier- und Recyclingkapazitäten: Der aktuelle Recycling- und Verwertungsanteil liegt bei nur etwa 4-7 % des Abfallstroms. Die Sammelquote in städtischen Gebieten erreicht etwa 80 %, in ländlichen nur rund 10 %. Nach über einem Jahrzehnt an Aufbauarbeit — insbesondere mit Unterstützung der internationalen Geber — werden nun erste moderne Sammel-, Sortier- und Recyclinganlagen installiert.

Mehrere internationale Pilotprojekte demonstrieren den Wandel der tunesischen Abfallwirtschaft:

  • UN-Habitat (2025): Waste-to-Energy-Projekt zur Stromgewinnung aus Deponiegas in Tunis und Béja – erstes WtE-Projekt in Nordafrika.
  • MEP Middle East (2025): Erste Recyclinganlage für Bau- und Abbruchabfälle in Ezzahra (Tunis).
  • Subnational Finance (2025): Agrarabfall-Recyclingprojekt in Nabeul (60 000 t / Jahr) zur Herstellung von Kompost, Energie und Biochar.
  • UNIDO (2025): Weltweit erstes Carbon-Credit-Projekt auf Basis semi-aerober Deponien in Béja.
  • Africa Energy Portal (2025): Startup „Bioheat“ verwertet Olivenabfälle zu Biobrennstoff-Briketts.

Diese Projekte verdeutlichen den Fortschritt und die zunehmende Diversifizierung des Sektors. Damit positioniert sich Tunesien als einer der dynamischsten Innovationsstandorte Nordafrikas im Bereich Kreislaufwirtschaft und Waste-to-Energy.

Die tunesische Abfallwirtschaft steht vor der Aufgabe, ineffiziente Entsorgungsstrukturen zu modernisieren, Recyclingquoten zu erhöhen und Deponien zu entlasten. Dafür werden innovative, ressourcenschonende und energieeffiziente Lösungen benötigt. Insbesondere in den Bereichen mechanisch-biologische Abfallbehandlung (MBA), Müllverbrennung (MVA), Kompostierung, Biogasproduktion und Sonderabfallmanagement besteht ein wachsender Bedarf.

Vorteile der Teilnahme für bayerische Unternehmen

  • Erweiterung des Marktanteils: Bayerische Unternehmen können ihre Marktpräsenz in Nordafrika ausbauen und sich gegenüber italienischen und französischen Wettbewerbern behaupten.
  • Neue Geschäftsbeziehungen: Der Eintritt in den tunesischen Markt ermöglicht den Aufbau strategischer Partnerschaften mit kommunalen Betreibern, Ingenieurbüros und lokalen Dienstleistern – mit Synergien für weitere Märkte in der MENA-Region und Subsahara-Afrika.
  • Innovationsvorsprung: Durch die Implementierung und Anpassung neuer Technologien vor Ort sammeln bayerische Firmen wertvolle Erfahrungen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit international weiter stärken.

Weiterführende Informationen

Ihr Ansprechpartner

Ferdinand Elsäßer
Senior Consultant

E-Mail: fe@energiewaechter.de
Tel.: +49 (0)30 7974441-22

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